Monitoring Nistkastenstrecke entlang des Langen Graben in Meißen
Wann
Beginn: 1. Februar 2027
10:00 Uhr
Ende: 28. Februar 2027
14:00 Uhr
Wo
Ziegelstraße 5
01662 Meißen
Anfahrt
Unternehmen
DVL – Landesverband Sachsen e.V. Regionalbüro Meißen
Ansprechpartner
Nadja Stoschek
Telefon
Wo liegen die aktuellen Defizite für Höhlen- und Halbhöhlenbrüter?
- Baumhöhlen, Nischen und Spalten sind in unseren aufgeräumten, versiegelten und ausgeräumten Landschaften und konkret im Siedlungsbereich leider zur Seltenheit geworden - höhlenbewohnende Tierarten leiden unter Wohnungsnot und Nistplatzmangel. Das ist ein vom Menschen verursachtes Problem. Der ebenfalls vom Menschen ins Ökosystem eingeschleppte Waschbär tritt nun als vielseitiger Räuber auf und vertreibt vielerorts die Höhlenbewohner aus ihren Quartieren, sodass sie nicht mehr erfolgreich brüten können.
Maßnahmen:
- Unter anderem durch vollständiges Fehlen von alten höhlenreichen Altbäumen entlang des langen Grabens in Meißen war es zweckmäßig, an geeigneten Stellen eine Nistkastenstrecke für Höhlen- und Halbhöhlenbrüter wie Meise, Kleiber, Star, Sperling und Rotkehlchen zu deren Artenschutz zu installieren.
- Um Nachhaltigkeit, Wirksamkeit und Nutzung der Nistkastenstrecke zu gewährleisten, wird ein jährliches Monitoring stattfinden.
- In diesem Rahmen werden die Nestnutzungen (nach Arten) dokumentiert - (Brutplatz, Schlafplatz (Aufenthalt), Insekten (Schwammspinner, Feldwespen),…), weiterhin werden die Nistkästen gewartet und wichtig! gereinigt
Info zur Nistkastennutzung:
- Es sollten nicht alle Nisthöhlen zur Jungenaufzucht besetzt sein, da ein großer Teil als Übernachtungsquartier, Rückzugsort (Kälte, Nässe, Zugluft) oder Nahrungsdepot genutzt wird. Erst wenn in mehreren aufeinander folgenden Jahren in etwa 60 bis 70 Prozent Nester gefunden werden, ist eine optimale Sättigung mit Nisthöhlen erreicht.
Zur Nistkastenstrecke:
| Nistkastenart | Anzahl [Stück] |
| Sperlinge: | 14 |
| Stare | 7 |
| Blaumeise | 9 |
| Kohlmeise | 9 |
| Rotkehlchen | 5 |
| Kleiber | 1 |
- Es wurden 45 Nistkästen für Höhlen- und Halbhöhlenbrüter wie Meise, Kleiber, Star, Sperling und Rotkehlchen an geeigneten Stellen am Gebäude der DRK-Werkstatt und entlang des Langen Grabens in Meißen 2024 angebracht. Damit die Brutplätze nicht durch Prädatoren zur ökologischen Falle werden, wurden alle Nistkästen speziell und individuell von der Holzwerkstatt in der WfbM Meißen angefertigt.
Dieses Projekt wurde mit der Unterstützung des Meißner Regionalbüro des DVL-Landesverbandes Sachsen e.V., der Stadt Meißen, der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Meißen, mit freundlicher Unterstützung durch UKA Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG und der DRK Werkstatt Meißen realisiert. - Das jährliche Monitoring wird durch das Regionalbüro Meißen DVL-Landesverband Sachsen koordiniert und mit freiwilligen Helfern über RegioCrowd durchgeführt. Für die Reinigung, Wartung und Kartierung der Kästen nehmen wir den Monat Februar. Die Kästen werden demnach regulär vor der aktuellen Brutsaison gereinigt, da sich über den Winter noch viel Kot ansammelt (Nutzung der Kästen als Ruheplatz), der aus Hygiene-Gründen beräumt werden muss. Auch sind in der kalten Jahreszeit Flöhe und andere Parasiten weitestgehend inaktiv, sodass ein gefahrloses Arbeiten möglich ist.
Was du gibst, wenn du dabei sein möchtest
- Einsatz und Engagement
- Interesse an der Reinigung, Wartung und dem Monitoring
- Freude am Arbeiten in der Natur und Kennenlernen dieser
- Wissensdurst (was ist drin ;) )
Was du bekommst
- Kennenlernen von Menschen mit gleichen Interessen und regionaler Akteure
- Teamwork, Austausch, Vernetzung, sportliche Aktivität
- Kennenlernen der Reinigung von Nistkästen (Was ist zu beachten?)
- Kenntnisse im Brutvogelbestand, dem Nistkastenmonitoring sowie in der Vogelschutzbildung
- Erkennen weiterer Zusammenhänge (zum Artvorkommen, der Entwicklung, …)
Auswertung zum Monitoring an den DRK Werkstätten und Langen Graben in Meißen (Gewerbegebiet Ost) 2026 mit dem Vergleich zum Vorjahr 2025 :
- In dem Diagramm (unten in der Bilderauswahl) “Vergleich Auslastung Nistkastenarten 2025 und 2026 zu ihren Anzahlen in %” ist die Nutzung der Nistkästen durch Vögel dargestellt. Es wurden nachgewiesene Aufenthalte und Brutgelege von Vögeln einbezogen. Gleich geblieben sind die Nicht-Nutzungen der Halbhöhlenbrüter- (Rotkehlchen) und Kleiberkästen durch Vögel. Genutzt wurden diese Kästen nur von Eichhörnchen, Stinkwanzen, Ohrenzwicker, Ameisen, Feldwespen und Spinnen (was erkennbar war). Die Kohlmeisenkästen wurden 2026 gänzlich (100%) besucht und genutzt, hier hat sich eine Zunahme von 11% im Vergleich zu 2025 ergeben. Ebenso hat sich die Auslastung der Blaumeisenkästen stark erhöht. Hier hat sich die Nutzung sogar verdoppelt im Vergleich zum Vorjahr. Die Spatzenpensionen wurden auch deutlich mehr genutzt in 2026. Es lässt sich ein Anstieg in der Auslastung von 71 % auf 107 % aufzeigen. Es sind 2026 über 100% Nutzung, da Doppelnutzungen eindeutig nachgewiesen werden konnten. Zum Beispiel fand sich am Boden ein Nest mit Hausrotschwanz-Ei, darüber war eine andere Nestbausweise mit Kohlmeisenfedern zu finden. Entweder wurde eine Vogelart verjagt oder sie haben zu unterschiedlichen Zeiten in demselben Kasten gebrütet. Einen leichten Rückgang hat die Starenkasten-Kolonie erfahren, ein Kasten blieb dieses Jahr leer. Insgesamt lässt sich aber eine Zunahme der Kasten-Nutzungen erkennen. Im Allgemeinen verhält es sich so, dass künstliche Nisthilfen i. d. R. erst im zweiten Standjahr von den Vögeln vollständig angenommen werden. Im ersten Jahr sind es neue Landschaftselemente, die folglich erstmal beobachtet werden müssen. Daher wurde auch eine Zunahme der Auslastung der Kästen im zweiten Jahr erwartet. Erst in den nächsten Jahren können Aussagen und Trends zur Nistkastenauslastung konkret getroffen werden.
- Was erkennen wir im Diagramm “Anzahl nachgewiesene Vogelarten pro Nistkastenart Vergleich 2025 und 2026” ? Die Diversität der Vogelarten pro Nistkastenart hat im Jahr 2026 zugenommen. Vor allem die Kohl- und Blaumeisen konnten in allen vier genutzten Kastenarten 2026 nachgwiesen werden, 2025 war dies noch nicht so. Die Meisen sind sehr flexible Arten, vermutlich auch durch mangelnde natürlich vorkommende Nisthöhlen. Der Haussperling (Spatz) konnte nun erstmalig 2026 eindeutig nachgewiesen werden. Das Jahr davor waren keine Sperlingspuren auffindbar. Ein Hausrotschwanz hat nun offenbar schon zum zweiten Mal die Spatzenpension für seine Brut genutzt und je Eier hinterlassen. Die Starenkästen wurden dieses Jahr nicht ausschließlich durch Stare genutzt, da wahrscheinlich weniger Stare als im Vorjahr die Kästen aufgesucht haben. In einem Starenkasten sind zwei tote Jungvögel vom Star zurückgeblieben. In einem Blaumeisenkasten sind fünf tote junge Blaumeisen gefunden worden und in einer Spatzenpension sind vier tote Haussperlinge samt einem zerbrochenem Ei liegen geblieben. Im Jahr 2025 war nur ein toter Jungvogel (Kohlmeise) zu finden gewesen. Dies hinterlässt schon einen traurigen Abdruck. Es lässt sich nur vermuten, dass die Elterntiere Räubern zum Opfer gefallen sind oder die Jungvögel Krankheiten oder ähnliches hatten. Es wurden auch deutlich mehr Eier als im Jahr 2025 in den verschiedenen Nestern gefunden. Auffällig war auch der Schwammspinner. Sowohl konnten viele Raupen dieser Art kartiert werden als auch adulte Nachtfalter (die weiblichen Schwammspinner sterben nach der Eiablage und waren demzufolge im Nest zu finden). Bei dem Schwammspinner handelt es sich um einen gefährlichen Forstschädling, der große Schäden an Laubbäumen durch Laubfraß hinterlässt und schnell massenhaft vorkommen kann. Vögel stellen aber natürliche Feinde des Schwammspinners da, sodass wir mit den Nistkästen für die Schädlingsbekämpfung aktiv werden, indem wir Vögel an eine Umgebung "binden", die kaum geeignete Brutgelegenheiten für Höhlenbrüter bereithält.
Insgesamt war eine größere Vielfalt an Vögeln und verschiedenen anderen Arten in den Nistkästen zu finden gewesen. Was an dem Umstand liegen kann, dass künstliche Nisthilfen im ersten Jahr ungern angenommen werden, da es neue und unbekannte Landschaftselemente sind, deren Ungefährlichkeit erst beobachtet werden muss. Daher können noch keine generellen Aussagen oder Trends im Vergleicht zum Vorjahr getroffen werden. Die Starennachweise sind allerdings weniger geworden, da mag es andere Gründe geben und es wird in den Folgejahren stärker beobachtet. Am Langen Graben ist der Biber aktiv, was uns freut (auch hier mehr Diversität). Einen Kohlmeisenkasten mussten wir umhängen, da der Biber den dicken Eichenstamm so stark bearbeitet hat, dass wir den Nistkasten lieber an einen sicheren und weiter vitalen, nicht umsturzgefährdeten Baum wissen wollen. Die Nistkästen der DRK-Werkstätten Meißen sind bisher allen Wettern standhaft geblieben, vier Kästen müssen im kommenden Jahr kleineren Reparaturen unterzogen werden (bei einem ist eine Schraube abgebrochen z.B.).
Ein großer Dank geht an Carlo Eulitz (Zickeria Eckardsberg), der mir so tatkräftig, flink, wendig und pfiffig geholfen hat und die DRK-Werkstätten (Frau Riedel und Holzwerkstatt), die uns mit Gerätschaften zum Monitoring ausgestattet haben.
- Bei Fragen oder ähnlichem schreiben Sie mich gern an: regiocrowd.stoschek@gmail.com